Das Gesamtvorhaben "PräDepA" umfasst zwei Projektphasen. In der ersten Phase soll im Zeitraum von Juni 2022 bis Dezember 2023 eine umfassende Bestands- und Bedarfserhebung in den teilnehmenden Regionen, den Landkreisen Rhön Grabfeld, Bad Kissingen, Haßberge, Schweinfurt sowie der Stadt Schweinfurt, erfolgen. Konkrete Meilensteine sind die Identifikation relevanter Akteure, eine Bestandsaufnahme bisheriger geeigneter Angebote im Präventionsbereich sowie eine anschließende Identifikation geeigneter evidenzbasierter Interventionsmaßnahmen und die Prüfung deren Eignung für die Zielgruppe. Ein weiteres Ziel ist es, die Zielgruppe möglichst genau kennen zu lernen. Es sollen passgenaue Angebote geschaffen werden, welche auch die schwer erreichbaren Personen adressiert. Seit Frühjahr 2024 läuft das Projekt "Mental gestärkt im Alter - Gesundheitsförderung 60+", welches die zweite Projektphase bzw. das Anschlussprojekt von "PräDepA" darstellt.
Aus dem Vorgängerprojekt "Prävention von Depression im Alter" wurden vier Maßnahmen abgeleitet, die bis Ende 2026 pilotiert werden sollen. Ab Herbst 2024 wird in verschiedenen Orten der Vortrag "Mental gestärkt im Alter" angeboten. Hier erfahren Seniorinnen und Senioren, wie sie sich selbst für ein gesundes Altern mental stärken können und welche Ansprechpartner sie dabei unterstützen. Um bereits bestehende Angebote der Seniorenarbeit um den Fokus der mentalen Gesunderhaltung zu ergänzen, werden außerdem Schulungen für in der Seniorenarbeit tätige Personen entwickelt. Darüber hinaus wird es für interessierte Kommunen ab dem Sommer 2025 die Möglichkeit geben, zu erfahren, wie sie die mentale Gesundheit der älteren Bevölkerung in ihrer Gemeinde unterstützen können. Anhand eines Online-Tools werden hierbei auch gute Praxisbeispiele aus der Region vorgestellt. Ein weiteres Angebot für Seniorinnen und Senioren ist der Präventionskurs "Körper-Geist-Seele", der 2026 stattfinden wird. Der Präventionskurs vermittelt Wissen zu spezifischen Themen des Alterns und begleitet die Seniorinnen und Senioren bei der Umsetzung des Gelernten im Alltag.
Förderphase 1 - Bestands- und Bedarfserhebung
Setting
Das Projekt soll in den Landkreisen Haßberge, Bad Kissingen, Rhön-Grabfeld, Schweinfurt sowie der Stadt Schweinfurt und somit unterschiedlichen Settings durchgeführt werden, um möglichst differenzierte Aussagen über die Ansprache und die nötigen Maßnahmen treffen zu können. Die Erprobung der eruierten Maßnahmen soll in einem späteren Projekt ebenfalls über die teilnehmenden Landkreise und kreisfreien Städte verteilt stattfinden. Bei den Settings (Landkreisen/kreisfreie Stadt) handelt es sich um:
- Ländliche Regionen
- Urbanes/ städtisches Gebiet
- Kur- und Rehastandorte
Zielgruppe
Für die Bestands- und Bedarfsanalyse sind folgende Zielgruppen notwendig:
- Menschen ab 60 Jahren, die in einem der vier Landkreise/kreisfreien Stadt leben und bis dato nicht an einer diagnostizierten Depression erkrankt sind.
- Vertretungen der Zielgruppe, die eine Aussage zu den Bedarfen treffen können
- Anbieter von Maßnahmen, die der Prävention von Depressionen dienen können
Zu 1.:
Diese Zielgruppe unterteilt sich in zwei Untergruppen. Zum einen in die „fitten, aktiven, tendenziell jüngeren Alten“; die sich aktiv für ihre Gesunderhaltung interessieren und sich offen und reflektiert mit Themen des Alter(n)s auseinandersetzen, tendenziell eine höhere Gesundheitskompetenz haben, sowie mobil sind und auch durch Online-Formate zu erreichen sein können. Zum anderen die Gruppe der Hochaltrigen, die als „hard-to-reach“ definiert werden können. Diese zeichnet sich durch geringere Mobilität, zunehmende Funktionseinschränkungen im Alltag, ein kleiner werdendes soziales Netzwerk, einen kleineren Aktionsradius um den Wohnort herum, Hilfebedarf, die Tendenz zur sozialen Isolation und/oder Einsamkeit, andere Vorstellungen über psychische Gesundheit und seelisches Wohlbefinden sowie eine tendenziell niedrigere Gesundheitskompetenz aus.
Diese Gruppe ist auf Grund verschiedener, teilweise kumulierender Faktoren besonders durch eine depressive Erkrankung im Alter bedroht.
Zu 2.:
Um einen genauen und fundierten Bedarf an Präventionsmaßnahmen zu erörtern bedarf es der Befragung von relevanten Vertretungen der Zielgruppe. Diese sollen beispielsweise Aufschluss geben können zu folgenden Fragestellungen/Themen:
- Wie können möglichst viele Personen der Zielgruppe zur aktiven Mitwirkung am Projekt, beispielsweise durch das Besuchen der Bürger-Workshops motiviert werden. Welche Personen sind geeignete Multiplikatoren in den einzelnen Landkreisen und Gemeinden?
- Wie können möglichst viele Personen aus der Zielgruppe durch die Angebote erreicht werden?
- Wie muss ein Präventionsangebot inhaltlich gestaltet sein, um von der Zielgruppe als attraktiv wahrgenommen zu werden?
- Wie müssen die äußeren Bedingungen (Kosten, Örtlichkeit, Erreichbarkeit, Bewerbung) gestaltet werden?
Als Vertretungen der Zielgruppe sollen beispielsweise dienen: Seniorenbeauftragte der Gemeinden, Seniorenbeiräte, Hausärzte, Seniorenkreisleitungen, amb. Pflegedienste, Pflegestützpunkte, Pflegenetzwerk, Quartiersmanagement, regionale Allianzen uvm.
Zu 3.:
Um Doppelstrukturen zu vermeiden, sollen bisherige Anbieter von Präventionsmaßnahmen kontaktiert werden. Hierbei geht es in erster Linie darum, herauszufinden, ob die Zielgruppe der älteren Menschen Zugang zu den bereits bestehenden Angeboten hat bzw. unter welchen Umständen dies der Fall ist. Fokussiert werden sollen hier auch Angebote, die nicht vordergründig dezidiert der Prävention von Depressionen dienen, die aber dennoch bestehenden Risikofaktoren entgegenwirken (z.B. Seniorenkreise, die sozialer Isolation entgegenwirken).
Vorgehen und Methodik bei der Bestands- und Bedarfsermittlung
Als wissenschaftliche Unterstützung für die geplante Bestands- und Bedarfsermittlung wurde die Hochschule Coburg gewonnen. Deren spezifische Aufgaben werden zum späteren Zeitpunkt dieses Antrags vertieft.
- Identifikation geeigneter Ansprechpartner und Projektpartner
- Wer beschäftigt sich in der Region mit dem Thema Depressionsprävention (zunächst unabhängig vom Faktor Alter)
- Wer ist Multiplikator für die Zielgruppe(n); Über wen ist die Zielgruppe gut zu erreichen/motivierbar
- Wer kann Auskunft geben über die Bedürfnisse der Zielgruppe
- Wer sollte mit „ins Boot“ geholt werden, um die Erfolgsaussichten des Gesamtvorhabens zu steigern
- Erstellen von Verteilerlisten
- Recherche von evidenzbasierten Präventionsmöglichkeiten bezogen auf Depression im Alter
- Welche Risikofaktoren für depressive Erkrankungen im höheren Lebensalter gibt es?
- Relevanz des Themas Einsamkeit?
- Gibt es erprobte evidenzbasierte Präventionsmöglichkeiten für Depression im Alter?
- Überblick bereits bestehender Angebote in der Region
- Welche Präventionsangebote zum Thema Depression gibt es in der Region (unabhängig vom Faktor Alter)
- Welche Angebote gibt es, die nicht eindeutig zu Depressionsprävention zugeordnet werden können, aber präventiv an einem der Risikofaktoren ansetzen
- Analyse der vorhandenen Angebote im Hinblick auf ihre Zielgruppentauglichkeit
- Sind die Angebote für die Zielgruppe geeignet in Hinblick auf: Erreichbarkeit, Barrierearmut, Kosten, inhaltliche Ausrichtung etc.
- Bedarfsanalyse der Zielgruppe
- Wie ist der Wissenstand der Zielgruppe zum Thema (im Sinne von „wie viel Sensibilisierung fürs Thema ist notwendig?“)
- Wie müsste ein Angebot inhaltlich gestaltet sein, damit die Zielgruppe teilnimmt
- Wie müssen weitere Faktoren gestaltet werden, damit ein Angebot attraktiv ist (Kosten, Erreichbarkeit, Uhrzeit, Dauer etc.)
- Müssen zusätzliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, die eine Teilnahme begünstigen (z.B. Fahrdienst)
Geplante Methodik
- Fragebogen (Entwicklung der Fragebögen)
Fragebogen für:
- Anbieter von Präventionsangeboten: Wie sind diese gestaltet (relevante Faktoren siehe oben)? Werden sie von der Projekt-Zielgruppe in Anspruch genommen?
- „Vertretungen“ der Zielgruppe (z.B. Seniorenbeauftragte, Pflegedienste): Welche Faktoren und äußere Bedingungen sind bei der Gestaltung von Angeboten wichtig, regionale Spezifitäten
- Vertiefende Qualitative Interviews (Entwicklung Leitfäden für Interviews)
- Mit den Anbietern von Präventionsangeboten, deren Angebot von der Zielgruppe besucht wird
- Detaillierte Nachfragen zu Erfahrungen möglich
- mit einzelnen Stake-Holdern, z.B. Pflegedienste, die detailliertes Wissen zur Unterzielgruppe der Hochaltrigen haben (u.a. abhängig davon, ob es Jemanden gibt, der sich in der Region mit Prävention von Depression im Alter beschäftigt)
- Befragung der Zielgruppe mittels Bürger-Workshops
- Inhalte siehe Punkt 5 „Bedarfsanalyse der Zielgruppe“
- Mindestens einen Bürger-Workshop pro Landkreis
Förderphase 2 - Maßnahmenerprobung
Im Folgenden finden Sie eine kurze Erläuterung zu den geplanten Maßnahmen sowie den Aufgaben der jeweiligen Arbeitsgruppe. Alle Maßnahmen stellen Ableitungen aus den Ergebnissen der ersten Projektphase („Prävention von Depression im Alter – PräDepA“) dar. Alle Arbeitsgruppen arbeiten unter Federführung der Projektkoordination sowie gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der jeweiligen Gesundheitsregionenplus.
Maßnahme "Vortragsreihe"
Die Durchführung der Vortragsreihe ist geplant ab Herbst 2024. Ab Herbst diesen Jahres können interessierte Gruppen (z.B. Seniorenkreise, Vereinsgruppen etc.) den Vortrag „buchen“. Der Vortrag soll Grundwissen zu Depressionen im Alter und zu möglichen eigenen Risikofaktoren vermitteln, sowie Informationen zu regionalen Anlaufstellen geben. Darüber hinaus wird die Veranstaltung eine (oder mehrere) praktisch anwendbare Übung(en) zur Entspannungsförderung/Resilienzförderung enthalten. Die Mitglieder dieser Arbeitsgruppe erarbeiten gemeinsam die passenden Inhalte des Vortrags und können bei geeigneter Qualifikation (siehe Präventionsleitfaden) auch als Referierende tätig werden.
Maßnahme "Multiplikatorenschulungen"
Die Multiplikatorenschulungen sollen nach Möglichkeit erstmals in 2025 durchgeführt und danach in 2026 weitergeführt werden. Es sind zwei verschiedene Schulungen geplant. Bei „Schulung 1“ geht es darum, interessierte Anbieterinnen und Anbieter von bereits bestehenden Angeboten der Seniorenarbeit auf das Thema „Mentale Gesundheit im Alter“ aufmerksam zu machen. Die Schulung vermittelt Wissen und Handwerkszeug, um das Thema „Mentale Gesundheit“ vermehrt in den Angeboten mit einzubauen. Außerdem soll Wissen zu äußeren und inneren Barrieren vermittelt werden, welche Seniorinnen und Senioren von einer Teilnahme an Veranstaltungen oder Ähnlichem abhalten. Beispielsweise das Thema „Umgang mit Scham“. Die Mitglieder dieser Arbeitsgruppe erarbeiten gemeinsam die Inhalte der Schulung. Hier interessieren wir uns insbesondere auch für den Blickwinkel derer, die selbst in der Seniorenarbeit tätig sind. „Schulung 2“ beschäftigt sich mit dem Thema „Mentale Gesundheit im Alter in der Bildungslandschaft richtig aufgreifen“. Diese Schulung richtet sich an Bildungsträger. Hier soll es darum gehen, welche Themen im Zusammenhang mit Mentaler Gesundheit im Alter am relevantesten sind und wie sich diese gut als Bildungsangebote für und mit Seniorinnen und Senioren umsetzen lassen. Die Mitglieder dieser Arbeitsgruppe erarbeiten gemeinsam die Inhalte und das Format dieser „Schulung“.
Maßnahme "Kommunen – Selbsttest"
Der Kommunen – Selbsttest soll als Online-Tool erstellt werden und ab Mitte 2025 zur Verfügung stehen. Mit diesem Selbsttest kann eine interessierte Kommune überprüfen, ob und wie stark sie bereits mental gesundes Altern unterstützt und möglich macht. Mit dem Online-Tool können sich die Gemeinden über die Bedürfnisse von Seniorinnen und Senioren zum Thema mentale Gesundheit im Alter und den Bedarfen und Hürden der schwer zu erreichenden Personen informieren. Anhand der Vorstellung guter Praxisbeispiele und der Vernetzung mit weiterführenden Unterstützungsstrukturen, kann die Kommune anschließend bei Interesse tätig werden. Die Mitglieder dieser Arbeitsgruppe erarbeiten gemeinsam die Inhalte des Selbsttests sowie notwendige Anforderungen an Layout etc..
Maßnahme Kursreihe "Körper – Geist – Seele" (Arbeitstitel)
Die Kursreihe für interessierte ältere Personen soll im Jahr 2026 angeboten werden. Ähnlich eines klassischen Präventionskurses können Seniorinnen und Senioren diesen Kurs buchen. Nach Möglichkeit (Räumlichkeiten, Kooperationspartner etc.) sollen die Kurse auch dezentral angeboten werden. Zur Kursreihe besteht ein Grobkonzept, welches derzeit in 3 Module unterteilt ist. Jedes Modul wird zukünftig einzeln buchbar sein. Die Arbeitstitel der 3 Module lauten „Beziehungen gestalten im Alter“, „Resilienz stärken und mit herausfordernden Situationen umgehen“ und „Bewegung und Ernährung“. Die Inhalte der einzelnen Module sind thematisch bereits grob gegliedert, entlang der Inhalte des GKVPräventionsleitfadens. Die Mitglieder dieser Arbeitsgruppe erarbeiten die Inhalte im Detail sowie wichtige Gelingensfaktoren „drumherum“. Bei geeigneter Qualifikation können sie ebenso als Referierende tätig werden.